Von „Sister Act“ bis „König der Löwen“ | Chor und Solisten überzeugen in Bad Münstereifel

Liebesfreud’, Liebesleid und andere Schick­sale boten Paul F. Irmen und die Chorge­mein­schaft Alle­gro Vivace mit Dawn Marie Fly­nn-Sir­ren­berg und Nicole Wolke (Diva Delight, v.l.) sowie den Solis­ten Silke Hart­stang und Sascha Stead in ihrem attrak­tiv­en Pro­gramm dar. (Copy­right: Car­olin Has­sel­bach)

Von Car­olin Has­sel­bach, 04.09.2024

Die Chorge­mein­schaft Alle­gro Vivace und mehrere Solis­ten boten einen hochk­las­si­gen Streifzug durch die Welt der Musi­cals.

Wenn die Chorge­mein­schaft Alle­gro Vivace zum Konz­ert ein­lädt, ist immer mit einem vollen Haus zu rech­nen. Dies­mal war es erneut im Vor­feld rest­los ausverkauft, denn die Sän­gerin­nen und Sänger unter der Leitung von Paul F. Irmen lock­ten mit einem beson­ders attrak­tiv­en Pro­gramm. „Da kriegt man Gänse­haut schon vom Lesen. Schön!“, raunte eine Dame aus dem Pub­likum beim Blick in das Pro­grammheft.

Unter dem Mot­to „There’s No Busi­ness Like Show Busi­ness“ bot der Chor in der Kon­vik­taula einen beschwingten Streifzug durch die Welt der Musi­cals. High­lights unter anderem aus „West Side Sto­ry“, „Anat­ev­ka“, „Sis­ter Act“ und dem „König der Löwen“ schmück­ten das Pro­gramm. Die pro­fes­sionellen Solis­ten Silke Hart­stang (Mez­zoso­pran) und Sascha Stead (Tenor) bracht­en Büh­nen­flair in die Kon­vik­tkapelle. Als Sah­ne­häubchen trat das Duo „Diva Delight“ auf.

Chorge­mein­schaft Alle­gro Vivace tritt in Bad Mün­stereifel mit Solis­ten auf

Dieter Bethkowsky, der Vor­sitzende der Chorge­mein­schaft, begrüßte das Pub­likum, das ges­pan­nt der Musik ent­ge­gen­fieberte. Er dank­te der Kreiss­parkasse Euskirchen für ihren finanziellen Zuschuss und ver­sprach ein Konz­ert, bei dem man mal alle Sor­gen vergessen könne.

Sein Dank galt auch dem Pianis­ten Jori Schulze-Reim­pell, der für den erkrank­ten Karl-Josef Gör­gen einge­sprun­gen war. „Er hat eine so fröh­liche Ausstrahlung, dass der Chor gar nicht anders kann als fröh­lich zu sin­gen.“ Dann kon­nte das Spek­takel auf der bunt geschmück­ten Bühne begin­nen.

Intro des Musi­cals „Cabaret“ eröffnet den Abend

Mit „Willkom­men Bien­v­enue Wel­come“, dem pop­ulären Intro aus dem Musi­cal „Cabaret“ eröffnete Paul F. Irmen das Konz­ert. Nach Zirkus­man­ier trat der Regis­seur Thomas Michael Gün­ther vor das Pub­likum, stellte gle­ich zu Anfang alle Mitwirk­enden vor und führte durch das weit­ere Pro­gramm.

Was fürs Pub­likum heit­ere Entspan­nung war, stellte für den Chor eine große Her­aus­forderung dar, denn wenn man genau hin­hörte, stellte man fest, dass die Stücke sehr anspruchsvoll waren. Teil­weise gab es Texte, die in rasen­dem Tem­po möglichst syn­chron zu artikulieren waren, was bei der stolzen Größe der Sänger­schar gar nicht so ein­fach war. Verzwick­te Rhyth­men mussten sorgfältig ein­studiert wer­den, immer wieder neue Stim­mungen und klein­teilige Ton­sätze erforderten viel Flex­i­bil­ität.

Dabei half Jori Schulze-Reim­pell, der am Flügel ganz lock­er ein ganzes Orch­ester erset­zte und dabei her­rlich gute Laune ver­bre­it­ete. Mal roman­tisch, mal tänz­erisch oder auch mal kraftvoll-kernig begleit­ete er durch Liebesfreud’, Liebesleid und andere Schick­sale, die hier musikalisch Aus­druck fan­den.

Silke Hart­stang, Sascha Stead und Diva Delight begeis­tern die Gäste

Mit viel Tem­pera­ment und Seele sang die Mez­zoso­pranistin Silke Hart­stang. „Übers weite Meer“, ein wun­der­schönes Liebeslied aus dem Musi­cal „Die Schatzin­sel“, trug sie sehn­suchtsvoll und mit san­ftem Pathos vor, von Jori Schulze-Reim­pell zart begleit­et. Große Begeis­terung ern­tete die aus­ge­bildete Opern­sän­gerin mit dem Med­ley aus „Les Mis­érables“, das sie mit voller, weich­er Stimme sang.

Mit szenis­chem Aus­druck ver­set­zte auch der Tenor Sascha Stead das Pub­likum ins Schwel­gen. Dass hier ein Büh­nen­bild fehlte, fiel gar nicht weit­er auf, denn auch seine Auftritte waren pack­end, drama­tisch und voller Inbrun­st. Dabei bestach seine Stimme mit ein­er jun­gen Ausstrahlung und authen­tis­ch­er Klarheit. Wun­der­bar waren die Duette der bei­den Solis­ten, zum Beispiel „Boote in der Nacht“ aus dem Musi­cal „Elis­a­beth“.

 Ein Riesenspaß waren die Beiträge von Diva Delight. Dawn Marie Fly­nn-Sir­ren­berg und Nicole Wolke mis­cht­en immer wieder mal im Pro­gramm mit, hat­ten aber nach der Pause auch einen eige­nen Abschnitt. Die bei­den begeis­terten nicht nur mit ihren tollen, viel­seit­i­gen Stim­men, son­dern entzück­ten mit ihrer Dra­maturgie, die sie um die Musik herum strick­ten, mit opu­len­ten Klei­dern und üppigem Schmuck, eben im unbeschei­de­nen Stil ein­er richti­gen Diva.

Paul F. Irmen sorgte für Musik mit abwech­slungsre­ich­er Stim­mung

Das gesamte Konz­ert litt zwar ein wenig unter der sprö­den Akustik im Saal. Den­noch ließen sich die Zuhör­er den Spaß nicht verder­ben, auch nicht von den Mod­er­a­toren, die mit dem Weltkriegstag, den Todes­opfern der Coro­na-Pan­demie und Frem­den­feindlichkeit dur­chaus schwere Brock­en in den Raum war­fen.

Die Besuch­er waren vor allem dankbar für die fes­sel­nde und abwech­slungsre­iche Stim­mung der Musik, die von Paul F. Irmen bere­ich­ernd und far­ben­froh in Szene geset­zt wurde.

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